Auf der Haut

Nachhaltigkeit mit allen Sinnen

 

vom 22.12.2018

 

Wenn es ums Essen geht, greifen schon viele von uns gern zu Bio-Produkten, oder wissen zumindest, dass es so etwas wie Bio gibt. Und der klassische Bio-Einkäufer kauft natürlich zudem saisonale und regionale Produkte – das versteht sich doch eigentlich von selbst.

Aber bei der Kleidung? Eine Frage, die ich mir lange gar nicht gestellt habe. Wichtig waren für mich vor allem das Design und der Preis. Und – nachdem ich zum ersten Mal in einem Primark war  –  der Geruch. Wie so oft hat mir damals meine Nase gesagt, dass an der Sache etwas faul ist.

Dolomiten. Die Natur erhalten.

Natur statt Plastik

Neulich war ich mit einer Freundin einkaufen. Sie wollte sich endlich eine eigene Regenjacke zulegen und legte Wert darauf, dass die Jacke PFC-frei ist. Damit hat sie mich mit einem Fremdwort konfrontiert, doch die Verkäuferin im Sportgeschäft schien zu wissen, worum es geht. Während sie herumprobierte und überlegte, schlüpfte auch ich probeweise in eine solche Regenjacke. Und war überrascht. Ihr kennt doch sicher dieses klebrig unangenehme Gefühl von Regenjacken auf bloßer Haut. Diese Jacke war tatsächlich angenehm! Die erste Regenjacke, die sich innen weich und warm anfühlte (zumindest vergleichsweise, kuschlig war sie natürlich auch nicht). Während diese Freundin nun rational für nachhaltige Kleidung plädieren würde, tue ich es mit meinen Sinnen – zur empfindlichen Nase kommt die sensible Haut.

Die Haut wird gern vernachlässigt, obwohl sie unser größtes Sinnesorgan ist. Während unser Verdauungsapparat sich wohl kaum über übermäßig chemisch behandeltes Obst und Gemüse freut, hat auch unsere Haut bei manchen Materialien nichts zu lachen.

 

Zeitlos statt gerade In

Da rede ich nun von meiner Nase und meiner Haut, und der oder die ein oder andere von euch fragt sich wahrscheinlich: und die Augen? Gut aussehen will man ja doch auch! Diese Frage habe ich mir auch gestellt und bald gemerkt, dass sie maximal eine schlechte Ausrede ist. Auch oder gerade Labels, die Wert auf nachhaltige Kleidung legen, achten auf schönes Design. Denn ein nachhaltig denkender Kunde kauft nicht für eine Saison, sondern für mehrere. Wäre dann blöd, wenn ihm seine Jacke, sein T-Shirt oder seine neuen Schuhe nach einer Woche schon nicht mehr gefallen würden, oder nicht?

 

Weniger Plastik für mehr Natur und nachhaltige Produktion.

Wer soll das bezahlen?

Die wenigsten haben das Glück, nicht auch die Brieftasche im Auge behalten zu müssen. Doch die Angst, sie würde sich bei einem nachhaltigen Lebensstil augenblicklich auflösen, ist unbegründet. Zumindest, wenn es um Sportartikel geht. Der Preis ist, anders als bei Lebensmitteln, kein Hinweis darauf, dass die Inhaltsstoffe nachhaltig sind. Nicht jede Marke, die ihre Produkte teuer verkauft, denkt dabei auch an nachhaltige Produktion oder an die Arbeiter. Letztere werden nicht selten um ihren fairen Lohn betrogen und müssen unter widrigen Bedingungen arbeiten.
Siegel wie das Fairtrade-Siegel machen es dem Konsumenten einfacher, faire Produkte zu erkennen.

 

Der Haken bei der Sache

Einen Haken gibt es aber doch. Und der fällt in Zeiten höherer Sensibilität für Umweltfragen besonders ins Gewicht. Vor allem westliche Gesellschaften, die viel Wert auf Nachhaltigkeit legen, sehen sich mit einer Unzahl an Informationen, an Do’s und Dont’s konfrontiert. Welches Siegel ist denn jetzt überhaupt das richtige? Und bedeutet ein grün-braunes Label automatisch, dass im Sinne der Nachhaltigkeit produziert wurde? Heißt „made in Germany“ wirklich, dass in keinem der Produktionsschritte Arbeiter ausgebeutet wurden?
Für den Konsumenten ist es tatsächlich nicht leicht, zu erkennen, an welchem Kleiderhaken nun wirklich nachhaltig, biologisch und fair produzierte Ware hängt.
Nach meinem Regenjacken-Shopping-Erlebnis habe ich beschlossen, mich mehr denn je auf meine Sinne zu verlassen.

 

Die Schattenseite hat Maren Urner in einem Artikel für Perspektive Daily („Ich will gern nachhaltig leben. Aber es macht mich fertig“) als Ökorexie bezeichnet – ein Phänomen, das nicht nur den Kleiderschrank, sondern auch Kühlschrank und Mülltonne betrifft.

 

 

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